Am Beispiel der Butter - Alexander Wiegold
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Am Beispiel der Butter

von Ferdinand Schmalz

Premiere 18. Dezember 2014
Burgtheater Wien

Der Futterer-Adi ist einer, der gegen die Spielregeln verstößt. Seine Mitarbeiterration an Joghurt verteilt er an Passanten, füttert sie mit dem milchigen Weiß. Dem Hans von der Staatsgewalt ist er ein Dorn im Auge, und der Stielaugen-Jenny behagt es nicht, die Dorfidylle getrübt zu sehen.

Und Karina, die junge Neue in der Butterfabrik, fühlt sich auch noch wohl an seiner Seite. Zwischen Molkerei, Kneipe und Hobbykeller beobachtet und bestraft man die, die sich dem normierten Raum der Dorfgesellschaft widersetzen. Die müssen weg. Die müssen abgerieben werden. Damit ihnen ausgetrieben wird, davon zu träumen, dass eine riesige Faust aus Butter sich eines Tages zum Himmel recken wird.

am beispiel der butter steht in der großen Tradition des gesellschaftskritischen österreichischen Volksstücks. Zwischen Totlachen und Totschlagen sind die Grenzen fließend. Der 1985 in Graz geborene Autor Ferdinand Schmalz wurde 2013 mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet, 2014 wurde er von Theater heute zum Nachwuchsautor des Jahres gewählt und erhielt das Wiener Dramatik Stipendium der Stadt Wien.

Trailer Burgtheater

Adi, Molkereiarbeiter
Peter Knaack

Karina, Molkereiarbeiterin
Jasna Fritzi Bauer

Hans, Exekutivbediensteter
Marcus Kiepe

Jenny, Betreiberin der Bahnhofsreste
Catrin Striebeck

Huber, Mittleres Molkerei-Management
Michael Masula

Regie
Alexander Wiegold

Bühne
Claudia Vallant

Kostüme
Moana Stemberger

Video
Markus Lubej, Alexander Richter

Licht
Norbert Gottwald

Dramaturgie
Klaus Missbach

Pressestimmen

Alexander Wiegolds Inszenierung hat nun am Donnerstag bestätigt: Schmalz ist eine Hoffnung fürs Theater. Sein Text erinnert an barocke Volksstücke Werner Schwabs, an die Wortkaskaden Elfriede Jelineks, er ist aber nicht so exzessiv wie der verstorbene Grazer Dichter und nicht so treffsicher wie die Nobelpreisträgerin. Doch die hohe Qualität von fünf Burgschauspielern und das Vermögen des Regisseurs, ohne unmäßigen Aufwand eine Atmosphäre des Absurden zu kreieren, machen diese 70 Minuten zum Vergnügen. Von diesen Künstlern will man mehr sehen. (Norbert Mayer, Die Presse, 19.12.2014)

Regisseur Alexander Wiegold, der schon mit seiner Umsetzung von Stanislav Lems „Solaris“ Furore gemacht hat, stellt erneut seine beeindruckende Genauigkeit in Bezug auf Sprache und Schauspielerführung unter Beweis. Milchweiß ist die Bühne von Claudia Vallant, zugleich Molkerei und Bahnhofstschecherl, ebenso hell die gelungenen Kostüme von Moana Stemberger. Peter Knaack begeistert als der an seiner Auflehnung Schiffbruch erleidende Adi, Jasna Fritzi Bauer macht in der Rolle der jungen Karina glaubhaft deren Prozess der „Formfindung“ deutlich und Catrin Striebeck steht ihren Kollegen als Jenny, in deren Körpergedächtnis eine Prinzessin ruht, in nichts nach. Marcus Kiepe als beklemmend schwacher Hans erntet für seinen furiosen Monolog verdienten Zwischenapplaus und Michael Masula setzt den schmierigen Huber äußerst pointiert um. In fabelhafter Ensembleharmonie veredeln die Darsteller so den gewichtigen Text und machen dessen Brisanz deutlich. Schmalz für das Zuschauerhirn und ein großer, nachhallender Theaterabend. (Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung)

Hinter ihrer Theke steht die Stielaugen-Jenny wie eine Saloonbesitzerin, das Dekolleté offen wie eine Auslage. Catrin Striebeck spielt sie, und die Western-Reminiszenz in dieser sonst so staubfreien, aseptischen Umgebung macht Sinn: Ferdinand Schmalz‘ Am Beispiel der Butter, von Alexander Wiegold im Vestibül des Burgtheaters inszeniert, erzählt, wie ein rechtsfreier Raum entsteht. Weil nicht mehr der Staat Recht (durch)setzt – sondern der Einzelne. L’État, c’est moi. Aus dem Goldrausch ist der Neoliberalismus geworden, aus den Goldsuchern wurden Großunternehmer. (…) Das Ensemble spielt ohne Ausnahme fulminant. Jasna Fritzi Bauers Karina ist ein zartes, in sich gekehrtes, gleichwohl starkes Wesen. Catrin Striebeck lässt bei der durch Desillusionierung hart gewordenen Jenny trotz aller Gemeinheit durchblicken, dass hier ein Mensch mit Gefühlen steht. Wiegolds klare, so gar nicht aufgesetzte Inszenierung hat die richtige Tonlage, die richtigen Bilder gefunden für den Kater nach dem Goldrausch. Ein böses, weil wahres Stück. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 23.12.2014)

Alexander Wiegold arbeitet gekonnt nicht nur mit den beschränkten Möglichkeiten der kleinen Bühne, sondern setzt auch einen subtilen Soundlayer ein, der die Arbeitsgeräusche, aber auch bedrohliche Klangszenarien bereithält. Der sprachliche Schmalzduktus macht klar, dass der Text ein für die Bühne Feingemachter ist. Einer, der nicht im Alltag zur Abnützung taugt. Vielmehr flutschen die Worte wie gut geschmiert und bauen subtile Bilder, die lange nachwirken. Das Ensemble spielt sprachgewaltig-authentisch, ausnahmslos mit der höchsten Rollenidentifikation. Ein Kammerspiel, das zu Recht den Retzhofer Literaturpreis 2013 erhielt. Die vorliegende Fassung von Alexander Wiegold Regie, Claudia Vallant Bühne und Moana Stemberger, die für die butterweißen Kostüme sorgte, beweist durchgehende Logik und Stringenz und verstärkt noch das Artifizielle des Geschehens. L´art pour l´art könnte man kritisch entgegenhalten – wäre die Metabotschaft nicht so brennend aktuell. Ein beachtenswertes Erstlingswerk, das Lust auf Kommendes macht. (Michaela Preiner, European Cultural News, 20.12.2014)