Das Schloss
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Das Schloss

nach Franz Kafka

– Es war spät abends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee.

– Vom Schlossberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloss an.

Der Wirt führt Joseph K. in ein Zimmer.

Wirt
Das Fürstenzimmer.

– Das Zimmer hatte grosse Fenster und war spärlich eingerichtet. Die Möbel schienen merkwürdig dünnfüssig, als wären sie aus Eisen. – Aber sie waren aus Holz.

K. öffnet ein Fenster.

Wirt
Den Balkon bitte ich nicht zu betreten. Der Tragbalken ist ein wenig brüchig geworden.

Das Zimmermädchen Elisabeth bringt K.s Koffer herein.

Elisabeth
Ist es Ihnen warm genug?

– Der Gast nickte. Trotzdem er bisher nichts an dem Zimmer auszusetzen hatte, ging er noch immer völlig angezogen mit Mantel und Hut auf und ab, als sei noch nicht gewiss, ob er hier bleiben werde.

Der Wirt steht mit dem Zimmermädchen zusammen.

Joseph K.
Warum flüstert ihr?

Wirt
Ich gab dem Mädchen nur Anweisungen wegen des Bettzeugs. Das Zimmer ist leider, wie ich erst jetzt sehe, nicht so sorgfältig vorbereitet, wie ich es gewünscht hatte…

Joseph K.
Davon ist nicht die Rede, ich habe nichts anderes erwartet als ein schmutziges Loch und ein widerliches Bett. – Wer hat dir meine Ankunft angezeigt?

Wirt
Niemand Herr.

Joseph K.
Du hast mich erwartet.

Wirt
Ich bin ein Wirt und erwarte Gäste.

Joseph K.
Das Zimmer war vorbereitet.

Wirt
Wie immer.

Joseph K.
zu Elisabeth: Ich bleibe nicht hier. Bring die Koffer wieder herunter!

Elisabeth
Geh nicht fort. Ja, wir haben Dich erwartet, nur weil wir ungeschickt im Antworten, unsicher deiner Wünsche sind, haben wir es verschwiegen.

Joseph K. zum Wirt.
Lass mich mit dem Mädchen alleine.

Der Wirt geht hinaus.

Joseph K.
Komm her. Wie heisst du?

Elisabeth
Elisabeth.

Joseph K.
Elisabeth, hör mir genau zu. Ich habe hier eine Aufgabe vor mir und weil sie alles ist, was ich habe, diese Aufgabe, unterdrücke ich auch alles, was mich bei ihrer Ausführung stören könnte, rücksichtslos. Hast du das verstanden? – Er drückt ihre Hand zusammen. Du, ich kann in dieser Rücksichtslosigkeit wahnsinnig werden.
Elisabeth nickt.

Zum Kampf bin ich ja hier, aber ich will nicht angegriffen werden vor meiner Ankunft. Wie habt ihr also von meiner Ankunft erfahren?

Elisabeth
Das ganze Dorf weiss von deiner Ankunft, ich kann es nicht erklären, schon seit Wochen wissen es alle, es geht wohl vom Schloss aus, mehr weiss ich nicht.

Joseph K.
Jemand vom Schloss war hier und hat mich angemeldet?

Elisabeth
Nein, die Herren vom Schloss verkehren ja nicht nicht direkt mit uns, aber es hat sich herumgesprochen. Wahrscheinlich über die Dienerschaft. Es kommen ja so wenig Fremde her, von einem Fremden spricht man viel.

Joseph K.
Wenig Fremde?

Elisabeth
Niemand kommt, es ist, als hätte die Welt uns vergessen.

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