Heimat - Alexander Wiegold
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Heimat ist da, wo noch niemand war

Life+ Celebration Concert
Burgtheater Wien, 8. Juni 2018

Was genau ist Heimat? Ein Ort, ein Gefühl, Sprache, Erinnerung? Oder sind es Menschen und Gebräuche? – Der Begriff liegt irgendwo auf der Grenze zwischen Gefühl und Vernunft, zwischen Innen und Außen, zwischen Weltoffenheit und Abschottung. Wenn man von Heimat spricht, setzt man immer irgendwo eine Grenze. Das macht den Begriff politisch so verwundbar.

Dabei ist der Mensch mit der Urerfahrung der Vertreibung aus dem Garten Eden grundsätzlich zu ewiger Wanderschaft verdammt. Nicht zufällig wird Heimat oft mit Bildern von ursprünglicher Natur assoziiert. Das Bedürfnis nach Herkunft, Sicherheit und Zugehörigkeit ist eine treibende Kraft in der Natur, wie man bei Zugvögeln, Insekten oder Fischen beobachten kann, die nach ihren manchmal viele tausende Kilometer umfassenden Reisen punktgenau zum Ort ihrer Entstehung zurückkehren.

Jonas Kaufmann

Ute Lemper

Ute Lemper

Die identitätsstiftende Bedeutung von Heimat erfahren vor allem jene, die ihre Heimat verlassen müssen oder mussten. Ähnlich wie die Trapp-Familie waren nach dem Anschluss Österreichs 1938 auch viele Künstler gezwungen, Österreich zu verlassen:  Joseph Roth, Stefan Zweig, Jean Amery, Emmerich Kalman, Erich Wolfgang Korngold, um nur einige zu nennen. Vor allem ihre Werke sollen den roten Faden des Konzertabends bilden.

Existiert Heimat nur im Bezug zur Fremde, manifestiert im Gefühl des Heimwehs? Und wieviel Fremde verträgt die Heimat? „Heimat ist da, wo noch keiner war“ sagte der Philosoph Ernst Bloch. So könnte man Heimat auch beschreiben, wenn man keine verklärende Erinnerung meint, sondern eine noch zu schaffende Zukunft. Heimat als Utopie.