Invasion! - Alexander Wiegold
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Invasion!
von Jonas Hassen Khemiri
Premiere 17. März 2013
Burgtheater Wien

Der Theaterbesuch einer Schulklasse läuft komplett aus dem Ruder: als in dem dargebotenen schwedischen Klassiker „Signora Luna“ von Almquist ein bunt kostümierter Araber die Bühne betritt, stürmen Yousef, Arvind und Kalil wütend die Szene und bereiten dem Kulturgenuss ein jähes Ende. Was ihnen aber noch Tage später in Erinnerung bleibt, ist der Name des unheimlichen Protagonisten: Abulkasem … „ein cooler Name“, der in der sich ständig selbst neu erfindenden Sprache der Jugendlichen bald zum schillernden Synonym für alles nur Denkbare, Positive wie Negative wird. Und wer den Namen benutzt, hat selbst Teil an seinem Geheimnis. Ein Geheimnis, dem auch die „Experten“ auf der Spur sind. Ihre Jagd nach dem meistgesuchten Terroristen der Welt konzentriert sich auf – Abulkasem! Und was hat der asylsuchende Apfelpflücker, der sich in den südschwedischen Wäldern versteckt, mit dem schemenhaften, verschwommenen Fahndungsfoto zu tun?

Jonas Hassen Khemiri, geboren 1978 in Stockholm, Sohn einer Schwedin und eines Tunesiers, dessen Debutstück „Invasion!“ mittlerweile weltweit aufgeführt wird, setzt sich auf spielerische und vielschichtige Weise mit dem Thema der kulturellen und sprachlichen Identität, dem Bild vom Fremden und Anderen und der Kraft von modernen Mythen auseinander.

Besetzung

Forscherin
Anna Hofmann

Lara, Peters Mama
Amrei Keul

Dolmetscherin
Florenze Schüssler

Schauspielerin, Afrikatante, Peters Schwester
Larissa Semke

Studentin, Erzählerin
Genet Zegay

Lehrer, Lance, 2. Forscher, Fanon-Anbeter,
Schulfreund des kleinen Bruders
Sergej Czepurnyi

Arvind, Kleiner Bruder
Aaron Friesz

Kalil, 3. Forscher, Peter
Johannes Hoff

Schauspieler, Moderator, Journalist, Peters Vater
Wolf Danny Homann

Yousef, Apfelpflücker, Erzähler
Noah Saavedra

Noah Saavedra (Der Apfelpflücker)
Noah Saavedra (Der Apfelpflücker)

Regie
Alexander Wiegold

Ausstattung
Julia Rosenberger

Kostüme
Jasmin Beszedics, Johanna Armstorfer

Musik
Julia Klomfaß

Video
Robin Weigelt

Licht
Marcus Loran

Dramaturgie
Claudia Kaufmann-Freßner

Aus dem Schwedischen von Jana Hallberg
Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg
Aufführungsdauer: ca. 80 Minuten. Keine Pause
Premiere am 17. März 2013 im Vestibül

Pressestimmen

Wunderwürfel mit arabischen Vorzeichen

Die Junge Burg sorgt mit Jonas Hassen Khemiris Erfolgsstück für einen Sinnesrausch und die Schärfung des Blicks. Feenstaub und Terrorismus liegen im Vestibül des Burgtheaters nah beisammen.

Das Ensemble der Jungen Burg widmet sich ganz der dem Stück innewohnenden Pracht seiner Schauplätze und Erzählschleifen. Regisseur Alexander Wiegold treibt den Namen Abulkasem in seiner schrägen, knalligen Inszenierung wie einen Spielball durch das globale Dorf. […] Wie Bedeutungszufuhr funktioniert, wie wir Vorurteile bilden, das alles ist Thema von „Invasion!“. Das Stück zeigt, wie sehr Menschen auf das, was sie sehen oder hören, konditioniert sind. Im Hintergrund spielt Wiegold dazu Videobilder als Manipulationsmaterial ab. Das generiert einen Sinnesrausch, der vor der bröckelnden Fliesenwand mit Mauerspalt im Sinne von Alice in Wonderland (Ausstattung: Julia Rosenberger) nur selten einbricht.
(Der Standard)

Genet Zegay (Studentin), Aaron Friesz (Arvind)
Noah Saavedra (Der Apfelpflücker), Florenze Schüssler (Dolmetscherin)

„Invasion!“ ist ein meisterhaft gebauter Text, mit seinen vielen Handlungsebenen und Schauplatz-Sprüngen nicht leicht zu verfolgen, aber reich an tollen Ideen. Verschiedene Aspekte der Themen Migration, Integration und Fremdenfeindlichkeit werden mit viel Humor durchgearbeitet. Die Absolventen des Projekts „Junge Burg“ spielen mit viel Engagement […]: Anna Hofmann, Amrei Keul, Florenze Schüssler, Larissa Semke, Genet Zegay, Sergej Czepurnyi, Aaron Friesz, Johannes Hoff, Wolf Danny Homann und vor allem Noah Saavedra beweisen Talent. Alexander Wiegold hat schwungvoll inszeniert.
(Kurier)

Die Junge Burg zeigt eine unterhaltsame „Invasion!“

Es ist, kurz gefasst, ein Stück über die Angst vor dem Fremden. Konkret: vor dem Araber. Khemiri zeigt hier analytisch und pointiert, was passiert, wenn die Panik vor dem Nichtverstehen überhandnimmt. […] „Invasion!“ ist ein flottes, modernes, mitunter sehr fantasievolles Stück mit einer Dynamik der vielen Wendungen. Die pop-bunte, aber straffe Inszenierung von Alexander Wiegold tut das ihre dazu, dass dieser Theaterabend ausgesprochen kurzweilig bleibt. Junge Burg, das bedeutet auch: frische Gesichter, unverbrauchte Schauspieler, immense Spielfreude; dieses Ensemble passt optimal zusammen. (Wiener Zeitung)

Larissa Semke (Afrikatante), Genet Zegay (Studentin), Wolf Danny Homann (Time-Out-Journalist), Sergej Czerpurnyi (Fanon-Anbeter)

Eigentümlich poetisch und richtig Abulkasem

Schon allein wegen der Anfangsszene lohnt es sich, in „Invasion!“ zu gehen. Wenn sie funktioniert, dann ist der Beginn von Jonas Hassen Khemiris Stück genial, und in Alexander Wiegolds Inszenierung funktioniert sie. „,Invasion!“ ist ein Mosaik aus Geschichten, die alle durch ein Wort verbunden sind: Abulkasem. Es wird zum Synonym für: cool, die Regisseurin, deren Name dir entfallen ist, und den weltweit gesuchten Terroristen; jugendlicher Slang, Herkunftsfragen und Terrorismusangst treffen aufeinander. Die Schauspieler der Jungen Burg halten die Energie, die das Stück braucht. Und so ist der Abend nicht nur sehr witzig, sondern auch berührend und eigentümlich poetisch.
(Falter)

„Invasion“ von Jonas Hassen Khemiri, ein spannendes Patchwork im Burg-Vestibül mit einem sympathischen jungen Ensemble.

Wer ist hier fremd? Wer unterwandert wen? Das bleibt in „Invasion“ vom tunesisch-schwedischen Autor Jonas Hassen Khemiri bewusst im Unklaren. In einem Puzzle, das an die Panoramen des frankokanadischen Theater-Magiers Robert Lepage erinnert, wandert der Begriff Abulkasem durch eine fragmentierte Gegenwart und materialisiert sich schließlich in einem angeblichen Terroristen. […] Das Stück […] ist eine schöne, vielfältige Miniatur aus der postmigrantischen Schattenwelt, die uns umgibt. […] Insbesondere in Erinnerung bleiben Noah Saavedra als Apfelpflücker, Aaron Friesz als Arvind, Genet Zegay als Studentin.
(Die Presse)

Bildergalerie
Angst und Vorurteil

Angst und Vorurteil

(Aus: „Bühne. Österreichs Theater- und Kulturmagazin“ Nr. 3, März 2013)

„Wenn ich in den Nachrichten etwas von islamistischen Anschlägen gehört habe und danach in der U-Bahn sitze, ertappe ich mich regelmäßig dabei, wie ich beim Anblick eines irgendwie arabisch aussehenden Menschen plötzlich Angst bekomme. Gleichzeitig erschrecke ich zutiefst vor meinen eigenen Vorurteilen, obgleich ich mich doch für einen liberalen Menschen halte“, bekennt Regisseur Alexander Wiegold. „Ich hoffe, wir erlangen durch die Produktion von Invasion! ein stärkeres Bewusstsein für diese Mechanismen.“

Die kritische Auseinandersetzung mit der Konstruktion stereotyper Feindbilder und der Perpetuierung von Fremdheit, aber auch die Frage nach dem Leben mit einer Identität zwischen verschiedenen Kulturen prägt das Aufsehen erregende Debüt-Stück „Invasion!“ von Jonas Hassen Khemiri, einem 1978 geborenen Schweden mit tunesischen Wurzeln. 2006 am Stockholmer Stadttheater uraufgeführt, wurde Khemiris rassismuskritische Farce mittlerweile vielfach übersetzt, weltweit inszeniert und zuletzt mit dem bedeutendsten US-Preis für Off-Broadway-Stücke, dem Village Voice Obie Award, ausgezeichnet. Nun probt Alexander Wiegold, der bereits 2011 am Burg-Vestibul „Solaris“ nach Stanistaw Lern inszenierte, mit „Invasion!“ sein Wunschstück. Die Premiere mit den 13 TeilnehmerInnen am TheaterJahr der Jungen Burg ist am 17. März im Vestibül.

„Humor und Ernsthaftigkeit liegen in diesem Stück ganz nah beieinander“, sagt der 34-jährige deutsche Regisseur: „Es besitzt weder eine lineare Handlung noch durchgängige Protagonisten. Vielmehr durchzieht verbindend ein geheimnisvoller arabischer Name diese flotte Szenen-Folge: Abulkasem.“ Er dient verschiedenen Personen als Name und wirkt dadurch Identität stiftend, fungiert als hippes Wort unter jugendlichen Migranten der zweiten Generation ebenso wie als Synonym für einen Terroristen, den Wissenschafter zu identifizieren versuchen. „Dass mit Zeichen und Worten Bedeutung hergestellt wird“, erläutert Wiegold, „ist ein ureigener Theatervorgang. In „Invasion!“ wird das Medium Theater ebenso reflektiert wie auch Sprachkritik geübt“. Insofern geht es in diesem Stück um mediale und individuelle Inszenierungsformen, „doch ohne zu moralisieren“, betont Wiegold.

Ein ideales Stück für die 20- bis 24-jährigen Schauspielerinnen, um sich intensiv mit Theater auseinanderzusetzen: „In ‚Invasion!‛ wechseln ständig die Erzählperspektiven und -arten, Dialoge mit epischem Sprechen, Gegenwart mit Rückblenden, selbst die Sprachstile, zwischen phantasiereichem Jugendslang, Expertensprache oder dem gebrochenen Deutsch eines Immigranten“, erklärt Wiegold. Das erfordere genaueste Szenen- und Spracharbeit, was mit den talentierten Teilnehmerinnen des TheaterJahrs einerseits handwerkliche Fragen aufwerfe, andererseits aber auch „besonders toll ist“, so Wiegold, „weil alle äußerst motiviert und engagiert sind“.

„Der Titel ‚Invasion!‛ erinnert an Panik erzeugende Schlagzeilen. Wir werden mit der Verbindung aus Videobildern des medialen Fundus, die uns tagtäglich mit menschenverachtenden Klischees bombardieren, und realem Bühnenereignis lustvoll spielen“, verrät Wiegold über seinen aufklärerischen Impetus: „Die Welt ist nicht schwarzweiß, sie ist ebenso vielfarbig und komplex wie ihre Menschen.“ Die Frage ist, wie stark wir sie durch Stereotype vereinfachen, um in unserer Angst vor dem Unbekannten den Überblick zu bewahren. (Christina Kaindl-Hönig)