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nach dem Roman von Stanislaw Lem
Bühnenfassung: Alexander Wiegold

Premiere am 25. November 2011 im Vestibül

 
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Auf der Solaris regiert das Chaos: schon seit Jahrzehnten erforscht eine eigens dafür begründete Wissenschaft diesen fernen Planeten, insbesondere den geheimnisvollen, intelligenten Ozean, der ihn fast zur Gänze bedeckt. Als sonderbare Funksprüche von der Forschungsstation die Erde erreichen, wird der Psychologe Kris Kelvin beauftragt, dort nach dem Rechten zu sehen.


Tatsächlich findet er die Station in einem desolaten Zustand vor – die beiden verbliebenen Forscher fürchten sich vor geisterhaften, angeblich vom Ozean entsandten Besuchern. Nach kurzem Schlaf sieht sich auch Kelvin plötzlich mit seiner längst verstorbenen Frau Harey konfrontiert. Strahlenexperimente der Wissenschaftler beantwortet der Ozean offenbar damit, dass er Gedanken der schlafenden Menschen absorbiert und sie als materialisierte Besucher auf die Station zurückschickt. Nach anfänglicher Abwehr schöpft Kelvin prompt Hoffnung, an der Seite dieses dreidimensionalen Harey-Duplikats ein neues Leben beginnen zu können.

 
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In seiner philosophisch aufgeladenen Science-Fiction-Parabel stellt Stanisław Lem die Frage nach dem Zusammenhang von Identität, Erinnerung und Schuld, zugleich aber auch nach den Grenzen der Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Da dieser die Welt zwangsläufig nach seinen eigenen Denk- und Wahrnehmungskriterien konstruiert, kann er die menschliche Perspektive niemals überwinden.

 
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Besetzung

Kris Kelvin

Oliver Masucci


Harey

Christiane von Poelnitz


Snaut

Marcus Kiepe


Sartorius

Ignaz Kirchner


Gibarian

Bernd Birkhahn


Berton

Ignaz Kirchner


Vorsitzender

Marcus Kiepe


Besucherin

Jovita Domingos Dendo

 
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Produktionsteam

Regie

Alexander Wiegold


Bühne

Stefanie Grau


Kostüme

Lane Schäfer


Video

Moritz Grewenig


Musik

Hannes Gwisdek


Licht

Marcus Loran


Dramaturgie

Florian Hirsch

Premiere am 25. November 2011 Vestibül/ Burgtheater Wien

Aufführungsdauer ca. 2 Stunden. Keine Pause

Aufführungsrechte: Suhrkamp Verlag, Berlin

 

Pressestimmen

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Ein berührendes Glanzstück

Regisseur Alexander Wiegold hat in die von ihm verfasste kluge Bühnenadaption neue Erkenntnisse der Hirnforschung einfließen lassen und mithilfe seines großartigen Ensembles ein eigenständiges wie berührendes Glanzstück auf die kleine Bühne des Burgtheater-Vestibüls gestellt.

 

Beeindruckend an dieser erstmals allein verantwortlichen Burg-Arbeit Wiegolds ist die Sicherheit, mit der er die Untiefen des Sentimentalen, eines Sci-Fi-Wissenschaftskitschs oder jener Sinnsuche-Klischees umschifft, in die man geraten kann, wenn man, wie zum Beispiel Steven Soderbergh in seiner „Solaris“-Verfilmung 2002, Lem ungenau liest. Größen Anteil am Gelingen des am Premieren-Freitag mit schönem Applaus gewürdigten Unternehmens hat Oliver Masucci, der der Zentralgestalt Kelvin, vor allem im Zusammenspiel mit Poelnitz, aber auch mit Kirchner und Kiepe eine fast zärtliche Intensität angedeihen lässt. Nehmen Sie die nächste Rakete, die Reise ins Vestibül lohnt!

 

(Tiroler Tageszeitung)

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Betörendes Theater-Slow-Food

Aus einer schlicht aussehenden, aber technisch versierten Bühnenkonstruktion (Stefanie Grau) mit Spiegelwänden, Fernsehschirmen und raumfüllenden Projektionen erwächst eine schiere Weite des Alls.


In über zwei Stunden, die unleugbar anstrengend sind, ein unterschwellig durch einen entsprechend subtilen, metallischen Soundtrack potenziertes Gefühl, wird die pessimistisch- düstere Essenz von Lems Vision definitiv präziser wiedergegeben als in den beiden bekanntesten, vom Autor selbst nicht besonders geschätzten Verfilmungen von Andrej Tarkowskij bzw. Stephen Soderbergh.


Das ist vor allem dem faszinierenden, brillant geführten Ensemble zu verdanken, dem die Zuschauer, längs im Raum verteilt, ziemlich auf der Pelle hocken. So hat man zum Beispiel endlich einen Blick aus der Nähe auf das undurchschaubare Gesicht des großen Ignaz Kirchner, der als Doktor Sartorius nicht nur deshalb perfekt besetzt ist, weil er mit Brille und weißem Kittel an diese eine Figur aus „Futurama“ erinnert. Den Snaut spielt Marcus Kiepe beklemmend ambivalent, eine Bebilderung der Romanfigur, wie sie beim Lesen unmöglich wirkt. Christiane von Poelnitz weint viel […], hält aber mit ihrer mädchenhaften Art in ihrem Bann. Als Projektion der Erinnerung ihres Mannes ist ihre Harey kein Mensch, aber doch Mensch genug, um damit zu hadern. Aber wie menschlich ist er eigentlich selbst? Oliver Masucci in der Hauptrolle des Ich-Erzählers Kris Kelvin leistet Unglaubliches. Fast immer einen halben Meter vor der ersten Reihe trägt er, körperlich und stimmlich die wummernde Depressivität der Geschichte aufrechterhaltend, den Abend. Trotz des surrealen Settings sind Situation und Charakter bei ihm ständig präsent.


Diese Aufführung ist wie eine Expedition zu einem anderen Planeten: unter Dauerspannung, irgendwie irreal und doch, zwangsläufig, zeitlich ausgedehnt. Vor allem aber ziemlich aufregend. „Solaris“ im Vestibül: betörendes Theater-Slow-Food.

 
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Ein Ereignis am Nebenschauplatz Vestibül

Zwar folgt der junge deutsche Regisseur Alexander Wiegold dem schon lästigen Trend zur Romandramatisierung. Doch ist ihm Stanislaw Lems Science-Fiction-Roman Solaris" vorzüglich geglückt, und darauf kommt es am Ende doch an. Ein philosophisch-politisches Menschheitsdrama um Schuld, Versäumnis und Einsamkeit wird da großartig geboten: vor allem von Ignaz Kirchner, der als Sartorius das Böse, Dämonische der Wissenschaft repräsentiert. Auch seinen Partnern Marcus Kiepe, Oliver Masucci und Christiane von Poelnitz kann man nur Bestes nachsagen.


(News)

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Fulminant gespielt

Denn eine Gruppe von Science-Fiction-Fans unter den Burgschauspielern versuchte sich im Vestibül des Hauses an Stanislaw Lems Meisterwerk „Solaris“. Da kann man nur scheitern. Und hier geschah's in formvollendeter Schönheit. Regisseur Alexander Wiegold zerlegte den hoch philosophischen Roman in einfacher verdaubare Häppchen und richtete sie auf dem Silbertablett neu an.


Dabei macht Wiegold etwas, das sicher im Sinne des Erfinders Lem gewesen wäre. Er verzichtet - no na - auf aufwendige „Special Effects“ und konzentriert sich auf ein Kammerspiel menschlicher Emotionen. Mit lediglich ein paar Schatten- und Nebelspielen und Videoprojektionen baut er die gespenstische Atmosphäre einer Raumstation auf, in die der Wahnsinn schleichend Einzug hält. Von dort aus beobachtet man einen Planeten, bedeckt von einem Riesenozean. Ein lebender Organismus, ein gewaltiges Gehirn mit kindlichem Verstand. Es schickt den Wissenschaftlern der Station "Gäste", Schatten aus deren Vergangenheit. Da ist der Weg in die Irre vorprogrammiert. All das wird vom feinen Darstellerteam fulminant dargeboten. Oliver Masucci ist als Held Kris Kelvin großartig hin- und hergerissen zwischen Auf- und Hingabe. Ihm erscheint seine durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Frau Harey. Und bald entscheidet er: Lieber mit dem Trugbild als alleine existieren. Ignaz Kirchner gibt als Physiker Sartorius den Prototyp des durchgeknallten Professors. Marcus Kiepe ist ein hypernervöser, alkoholkranker Kybernetiker Snaut. Er versteht, dass er die Geister, die er nicht mehr los wird, selber rief.


(Kurier)